Kohnstein, Karst, deutsche Geschichte

Der Kohnstein und die deutsche Geschichte

Aus aktuellem Anlass habe ich mich heute Morgen auf eine Wander-Tour um den Kohnstein bei Nordhausen begeben. Es ist deshalb aktueller denn je, weil gestern in drei Bundesländern gewählt wurde. Ich möchte eigentlich nicht politisch werden, aber es bereitet mir doch Sorgen, dass eine rechtspopulistische Partei nach allem was in Deutschland passiert ist so viel Zuspruch erhält. Um einige Menschen – ja es sind welche, auch wenn sie sich unmenschlich verhalten – daran zu erinnern was damals passiert ist, habe ich meine Tour heute so gelegt, dass sie über den Kohnstein führt. Im Inneren des Kohnstein und angrenzend befand sich nämlich vor knapp 70 Jahren das KZ Mittelbau-Dora. Meine Tour startete genau auf der anderen Seite des Kohnstein, im beschaulichen Harztor. An Wiesen und Feldern vorbei folgte ich den Wegen bis zum Waldrand. Schon dort konnte man die ersten Vorboten des ehemals grausamen Arbeitslagers erahnen. Stolleneingänge in das massive Karstgebirge ließen erahnen welch unschöne Dinge dort vor sich gingen.

Auf dem Kaiserweg, einem der wichtigsten Wanderwege im Harz, gelangte ich bis zum sogenannten Komödienplatz. Auf dem Komödienplatz feierte das 1835 gegründete Nordhäuser Gymnasium seine Maienfeste und die Schüler führten zudem lateinische Komödien auf, wie man auch auf dem Schild vor Ort nachlesen kann. Von hier kann man einen kleinen Abstecher zum Steinbruch machen, aber seid bitte vorsichtig. Der Blick von dort oben ist allerdings grandios. Vom Komödienplatz aus ging es nun bergab, bis ich das Schild “KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora” erreichte. Es bringt in mir ein mulmiges Gefühl hervor daran zu denken, dass es Personen gibt die der Meinung sind, dass das, was im Dritten Reich passiert ist, war rechtmäßig. Aber es war für mich unabdingbar meine Foto-Wanderung dorthin fortzusetzen, denn diejenigen, die das gut heißen, haben scheinbar keine Ahnung was damals wirklich passiert ist. Kommt man von oben durch den Wald so wie ich zur Gedenkstätte, ist das Erste, was man erreicht, das ehemalige Krematorium. Beängstigend, dass dort Leute verbrannt worden, aber noch viel schlimmer, dass es tatsächlich so weit gekommen ist, dass dieses Krematorium nicht “ausreichte” und wie im Mittelalter auf Scheiterhaufen zurückgegriffen wurde. Von vielen Gebäuden sind nur noch die Grundmauern zu erkennen, doch selbst diese ließen es mir eiskalt den Rücken herunter laufen. Ich bin dankbar, dass sich die Buchenwald-Stiftung diesem Thema angenommen hat und dieses schwarze Kapitel deutscher Geschichte aufarbeiten möchte, damit es in Zukunft hoffentlich immer weniger Unwissende gibt. Nach diesen Eindrücken brauchte ich erst mal wieder ein wenig Zeit meine Gedanken zu sortieren.

Wie gut liegt doch im Süden der Gedenkstätte der Hirschenteich. Hier nahm ich mir diese Zeit und ließ ein wenig die Seele baumeln. Weiter auf dem Karstwanderweg kam ich an der größten Karstquelle Thüringens vorbei, dem Salza-Spring. Ich folgte von nun an dem Lauf der Zorge bis ich wieder in Harztor ankam.

Ich möchte hiermit nochmals an alle dort draußen appellieren, dass sich die Geschichte nicht wiederholen darf! Allerdings machen mir einige Dinge Angst, dass, wie oben bereits erwähnt, eine rechtspopulistische Partei soviel Zuspruch erhält. Deshalb sind die Fotos von der Gedenkstätte in einem Farblook gehalten, der zeigen soll, dass es wohl scheinbar doch noch nicht alles Vergangenheit (Schwarz-Weiß Fotos) ist und da leider einige bunte Flecken dazukommen.

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