Mit dem Fahrrad durch Norwegen

Norwegen – Land der Fjorde

Wenn ich an Norwegen denke, dann denke ich immer wieder an das Jahr 2009 zurück. Ein einmaliges Erlebnis, was so sicher nicht wiederkommt. Es war zuerst eine Idee, eine Spinnerei. Mit dem Fahrrad durch Norwegen zu fahren klingt erstmal ein wenig verrückt. So war auch die vermehrte Meinung in meinem Umfeld. Und dann auch noch allein. Was da alles passieren kann. Ja, es ist einiges passiert, aber nichts Negatives. Der Plan reifte im Frühjahr 2009, mitten in der Klausurenphase. Ist ja nur Studium, Fahrrad fahren in Skandinavien ist eine Erfahrung fürs Leben. Im Endeffekt geht beides. Klausuren habe ich bestanden und so konnte ich den Trip besten Gewissens antreten. Einziges kleineres Problem war, dass ich während der gesamten Lernphase fast kein Rad gefahren bin, also ohne Training aufbrach. Das sollte ich merken, aber der Wille war stärker.

Norwegen Hammaphotos

Die Route

Bevor ich euch die Route vorstelle eine kleine Notiz am Rande: die Fotos sind qualitativ (Kamera-Qualität) nicht so toll wie gewohnt. Das liegt an der Tatsache, dass ich erst 2012 in die Fotografie eingestiegen bin, mich mehr damit beschäftigt habe und meine Kamera zu dem Zeitpunkt – sagen wir mal – eine Schnappschuss-Maschine war, die allerdings damals auch als Digicam 250 € gekostet hat. Nichtsdestotrotz sind ein paar ganz nette Aufnahmen entstanden. Man sieht aber auch, dass dieses Modell gar nicht so viele Gestaltungsmöglichkeiten zugelassen hat.

Zur Tour: Mit dem Zug ging es erstmal bis nach Arhus in Dänemark. Von dort nach Frederikshavn, um mit der Fähre nach Oslo über zu setzen. Ab hier ging es dann richtig los. An der östlichen Seite bis nach Lillehammer, weiter mit dem Zug über das Gebirge nach Trondheim. Über Geiranger nach Bergen, wieder ins Landesinnere und hinunter nach Kristiansand. Von hier mit der Fähre nach Hirtshals und nochmal 70km bis Aalborg. Dort wieder in den Zug nach Hause. Alles zusammen knapp 1800km, wovon ca. 1200 mit dem Rad zurückgelegt wurden.

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Warum nicht alles mit dem Fahrrad?

Eine berechtigte Frage, die zwei Ursachen hat. Ich wollte in dreieinhalb Wochen so viel wie möglich sehen und nicht alle Straßentunnel in Norwegen dürfen mit dem Fahrrad durchfahren werden. An manchen gibt es die Möglichkeit außen lang die Tunnelpassage zu umfahren, allerdings nicht überall und man findet keine Angaben, wo das geht oder nicht. So war die Strecke zwischen Lillehammer und Trondheim mit dem Zug als solches auch geplant, nur der Teil von Stryn nach Haukeli, über Bergen, da habe ich mich aufgrund der großen Ansammlung von Tunneln spontan für den Bus entschieden. Das war auch recht unkompliziert, nur der Busfahrer in Bergen hat ein bisschen gemurrt, aber das ging dann auch. Zudem hatte es just an den zwei Busfahrtagen geregnet, was mein Gewissen doch um einiges beruhigte.

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Jedermannsrecht oder Camping?

In Norwegen ist es grundsätzlich erlaubt sein Zelt im Wald oder ähnlichem, wenn nicht eingezäunt, aufzuschlagen. Das war auch zu Beginn der Reise mein Plan. Den habe ich dann bereits am ersten Tag in Oslo verworfen. Denn in Oslo ist das nicht so einfach was zu finden. Für den zweiten Tag hatte ich es mir nochmal vorgenommen. Aber auch da bin ich lieber auf einen Campingplatz gefahren. Sich nach 140km auf dem Rad, ohne Training, noch mühsam eine tolle Stelle zu suchen – mir war das zu anstrengend. In Vikersund habe ich mir dann auch eine Campingplatz-Übersichtskarte geben lassen, um so weiter meine Stopps zu planen. Das Ganze ist natürlich ein nicht unwesentlicher finanzieller Faktor, denn im Schnitt 20 € am Tag mehr als geplant, da muss man erstmal mit klarkommen.

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Das Wetter und die Leute

Viele sagen ja auch immer, es wäre dauernd kalt in Norwegen. Also entweder ich hatte Glück oder die Menschen lügen. Was auch immer. Ich hatte im Schnitt 23-25 Grad, was zum Radfahren optimal, fast sogar, gerade an Anstiegen, ein wenig warm ist. Aber es war toll. Ich kann nicht sagen, dass die Sonne die ganze Zeit geschienen hat, aber in dreieinhalb Wochen nur gut fünf Regentage. Da, denke ich, kann man nicht meckern. Zwei Tage davon fielen auf Bergen ab, wo es ja laut Statistik 300 Tage im Jahr regnet.

Über die Menschen kann ich nur Positives berichten. Es ist zwar schwierig in Norwegen unterwegs überhaupt mal jemanden zu treffen, da das Land nicht sehr stark besiedelt ist, aber jene, die man trifft, sind stets freundlich und hilfsbereit. Ich bin zwar viel auf Reisen, doch so etwas habe ich bisher noch nicht erleben dürfen. Schon gar nicht, wenn man aus Deutschland kommt, wobei man da auch nicht alle über einen Kamm scheren darf. Persönliche Geschichten dazu findet ihr in meinem Tagebuch als PDF.

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Das Profil

Norwegen gilt ja als Land der Berge und Fjorde. Und das auch zurecht. Was das nun über das Profil des Geländes aussagt dürfte jedem klar sein. Es ist ein ständiges Auf und Ab mit ganz wenigen flachen Passagen. Doch genau das ist es doch warum ich mit dem Fahrrad nach Norwegen fahre, mal abgesehen von der atemberaubenden Natur, sonst würde ich ja auch eher nach Dänemark fahren. Na gut, der Vergleich hinkt ein wenig. Ich habe Dänemark gesehen und für mich entschieden, Dänemark ist nicht so mein Land. Flach, windig, unattraktive Landschaft. Da quäle ich mich lieber den ein oder anderen Berg hoch, um dann glücklich und zufrieden, voller Endorphine über das Land zu schauen. Und das Beste, es geht wieder bergab und das teilweise in einem Höllentempo (für mich als Freizeitfahrer sind 60km/h viel 🙂 )

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Tipps

Wenn ich nochmal mit dem Rad nach Norwegen oder auch woanders hinfahren würde – ich ließe einiges an Gepäck zu Hause. Effektiv bin ich jeden Tag mit dem Radtrikot und Hose gefahren, davon hatte ich zwei Paar. Die anderen Klamotten waren nur zusätzlicher Ballast. Vielleicht würde ich die ein oder andere Dose mit etwas zu Essen mitnehmen, denn Einkaufen in Norwegen ist nichts für den schmalen Geldbeutel. Auch wenn es den Finanzen nicht zuträglich ist, Campingplätze würde ich auch beim nächsten Mal nutzen, denn man kann dort auch mal duschen und seine Klamotten waschen. Zudem trifft man ein paar Leute, mit denen man ein paar Erfahrungen über Land und Leute austauschen kann.

Norwegisches Tagebuch zum Download