Roadtrip durch das Land der Elche

14 Tage Roadtrip durch Schweden

Unter einem Roadtrip stellt man sich ja immer ein riesiges Abenteuer vor. Doch nicht jede solcher Reisen ist übersät von großen, manchmal unheimlichen Highlights. Vielmehr sind es meist die kleinen Dinge, welche man auf einer solchen Reise erlebt, die sich im Hirn verankern. Solch eine Reise mit dem eigenen Auto bringt einen auch kaum an seine eigenen Grenzen, doch sollte vor und während der Fahrt das Hirn auf “denken” geschaltet sein, denn ein paar Sachen solltet ihr auch in diesem so traumhaften Land beachten, damit ihr keine unliebsamen Bekanntschaften macht. Auch wenn Schweden nur unwesentlich teurer ist als Deutschland, was die Lebensmittel anbetrifft, solltet ihr euch vorher mit dem ein oder anderen an Nahrung eindecken. Denn so schön die schwedische Natur auch ist, so weitläufig ist sie auch und wer will schon gern verhungern.

Roadtrip Schweden Hammaphotos

Der schroffe schwedische Südwesten

Da wir unsere Reise in der schönen Mitte Deutschlands begannen, war bereits die Reise nach Schweden ein kleiner Roadtrip. Um Zeit zu sparen flogen wir (mit 120 km/h) über die Autobahn bis nach Dänemark. Dieses Land möchte ich nicht weiter beleuchten, da es uns weder landschaftlich zusagt, noch freundlich gegenüber Hundebesitzern ist, vor allem wenn man einen American-Staffordshire-Mix besitzt. Also nichts wie durch da und ab auf die Fähre nach Helsingborg. Ach war das herrlich, endlich schwedische Luft. Selbst das Wetter meinte es gut mit uns und das nicht nur an diesem Tag. Nur zwei Tage Regen in zwei Wochen und nur vereinzelt eine dichte Wolkendecke. Schon daher kann ich Schweden im Sommer mehr als empfehlen. Von Helsingborg an der Westküste entlang bis nach Göteborg. Die schroffe Schärenküste bietet ein Fotomotiv nach dem anderen.

Doch weniger die großen Städte waren für uns interessant. Es sind vielmehr die kleinen (Fischer-)Dörfchen gewesen, die dieses schwedische Flair versprühen. Sie erzählen das wahre Schweden, nicht nur das, welches man aus den Filmen kennt. Natürlich sind diese Orte von Touristen gut besucht, doch es lohnt sich meiner Ansicht nach. Daher solltet ihr unbedingt mal einen Ausflug nach Smögen und Kungshamn machen. Schlendert durch diese kleinen, niedlichen Örtchen und gönnt euch einfach mal frischen Fisch oder ein superleckeres Krabbenbaguette. Ebenso lohnt sich ein Abstecher in den Nationalpark Store Mosse . Wenn ihr mögt, könnt ihr dort sogar mitten im Wald, umgeben von einer Rinderweide, übernachten oder es euch mit Freunden einfach bei einem Lagerfeuer gut gehen lassen.

Roadtrip Schweden Hammaphotos

Wer auf das schroffe steht, so wie ich, für den sind die Schären ein absoluter Traum. Sehr schön fand ich es da in Varberg. Hier kann man toll sehen, was die Eiszeiten geschaffen haben und wie das Meer noch heute die Landschaft formt. Was ich am allerbesten fand!? Ich konnte auf den Felsen herumklettern, bis ans Meer, auf den höchsten Punkt und niemand, aber auch niemand fand das in irgendeiner Art und Weise schlimm. Willkommen in Schweden, wo Eigenverantwortung und eigenes Denken vor Geländern und Absperrungen und Verboten stehen.

Roadtrip Schweden Hammaphotos

Roadtrip Schweden Hammaphotos

Durch Värmland bis zur Ostküste

Ein kleiner Nachtrag noch zu Göteborg: Seid ihr in den Sommermonaten dort mit dem eigenen Auto unterwegs, mit einem nicht-schwedischen Kennzeichen, dann nehmt euch in Acht. Im Juli, während eines internationalen Jugendfußballturniers steigt die Einbruchrate in diese Autos um knapp 2000% an. Auch wir wurden Opfer einer dieser Diebesbanden und mussten somit eine unserer Scheiben in der Seitentür ersetzen. Aber davon ließen wir uns natürlich nicht unseren Urlaub vermiesen, auch wenn erstmal all unsere Klamotten fort waren.

Immer auf der Suche nach den kleinen Abenteuern, kamen wir auf unserem Roadtrip an tollen Orten vorbei, wie dem Autofriedhof in Båstnäs. Dieser hat sogar einen eigenen Blog-Beitrag bekommen. An den großen Seen Vättern und Vänern vorbei, durch die unberührte schwedische Natur und immer auf der Suche nach einem geeigneten Nachtplatz. Da es in Schweden das “Jedermannsrecht” gibt, haben wir natürlich so oft als möglich versucht, einen Platz zum übernachten in der Natur zu finden. Auch das Fischen habe ich versucht. Allerdings habe ich dafür nicht genug Geduld und habe es wieder aufgegeben, nachdem ich fünf Blinker in den schwedischen Gewässern versenkt habe.

Solltet ihr Lust daraus haben, euer essen selbst aus dem Wasser zu holen gibt es zu beachten, dass ihr, außer für die fünf größten Seen und die Küsten, immer einen Tages-, Mehrtages- oder Wochen-Angelschein benötigt. Diese gibt es meist bei privaten Anglern in der Nähe einiger Seen. Erkennen könnt ihr diese “Angelschein-Verkäufer” an einem blauen Schild mit Fisch, welche meist an den Briefkästen angebracht sind. Also Augen offen halten.

Småland, Öland und Skåne

Das Schweden, wie man es aus den meisten Filmen kennt, das findet ihr in Småland. Ob Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga oder die Kinder aus Bullerbü. Als diese Geschichte wurden rund um Småland erzählt und hier zum großen Teil verfilmt. Ein rotes Schwedenhäuschen reiht sich an das nächste, wobei, ganz so stimmt das ja auch nicht, denn manchmal liegen hier zwischen zwei Häusern mehrere Gehminuten. Schweden ist eben ein sehr weitläufiges Land, was es nicht nur für einen Roadtrip so spannend macht. Aber vor allem Småland hat es uns nach unserem ersten Schweden-Urlaub sehr angetan, weshalb wir unbedingt wiederkommen mussten.

Öland hingegen könnte man als die Karibik Skandinaviens bezeichnen. Weiße Sandstrände, blaues Meer und eben eine Insel. Dieses Öland hat natürlich auch das schwedische Königshaus für sich entdeckt und seine Sommerresidenz dorthin verlegt. Dort Öland bietet auch, für Skandinavien, etwas Besonderes. Man fährt nichtsahnend über diese wunderbare Insel und auf einmal…Kamele!!! Okay, könnte man denken, vielleicht macht hier gerade ein Zirkus Station. Weit gefehlt. Es ist mehr oder weniger ein Zoo, der nur und ausschließlich aus Kamelen besteht. Da waren wir nicht die einzigen, die erstaunt waren und erst einmal anhalten mussten. Man bekommt man so etwas schon zu sehen.

Ab in den Süden, nach Skåne, an der Südküste entlang bis nach Malmö. Auf diesem letzten Teil unserer Reise wollte ich ihn unbedingt mal wieder sehen, den Elch! Nach unserem “Live-Erlebnis” vom letzten Jahr im Winter, hatten wir bisher noch kein Glück. Deshalb wollte ich auf unserem Roadtrip gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Einen Elch sehen und etwas darüber erfahren. Also nix wie auf nach Räntemåla in den Elchpark. Das war ein tolles Erlebnis. Während die Elch-Experten einem diese majestätischen Tiere verbal näher bringen, darf man sie füttern und sogar streicheln. Gerade für Kinder natürlich ein riesiges Erlebnis.

Michel aus Lönneberga

Da wo der Michel in den Filmen gewohnt, gelebt, aber auch seine Streiche gespielt hat – genau dort waren auch wir. Es war sehr aufregend diese Kulisse einmal mit den eigenen Händen anfassen zu können. Und nein, es sind keine Gebäude aus Pappmascheé, es sind richtige Gebäude, die auch heutzutage noch bewohnt und bewirtschaftet werden, nämlich in der Zeit zwischen Oktober und März. Da gibt es keinen Katthult-Hof für Touristen. Aber im Sommer darf jeder die Geschichten noch einmal nachfühlen und wer den Michel und seine Geschichten mag, der sollte unbedingt auch mal dort gewesen sein.