Unstrut Wasser-Wandern

Mit dem Kanu auf der Unstrut unterwegs |

Normalerweise bin ich ja eher der klassische Wanderer, mit Wanderschuhen, Rucksack und vor allem zu Fuß. Doch man soll ja auch immer offen für neue Dinge sein. Also ging es dieses Mal auf die Unstrut und da meine Freundin und ich keine Verwandten von Jesus sind, können wir auch nicht auf dem Wasser laufen. Somit kam eigentlich nur eine Wasser-Wanderung mit einem Kanu in Frage. Nur haben wir ja kein eigenes Kanu und mussten uns eines leihen.

Also wurde mein lieber Freund Google bemüht und fand für mich heraus, dass der Herr Bernhardt in Ritteburg bei Artern neben seiner Pension und Gaststätte, direkt an einer Schleuse, auch noch einen Kanuverleih betreibt. Ein Anruf am Freitagnachmittag genügte und wir haben uns für 24€ Tagespreis + 16€ Bootstransfer/Boot für den folgenden Tag ein Kanu geliehen. Ich finde die 40€ sind sehr gut investiert, denn es war einfach nur toll. Im Normalfall gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder ab Ritteburg soweit fahren wie möglich und man wird wieder abgeholt oder Herr Bernhardt fährt einen Fluss aufwärts und man landet an seiner Schleuse. Wir entschieden uns für die zweite Variante.

Herr Bernhardt chauffierte uns und das Boot bis nach Oldisleben, in dem Ort im Übrigen auch die Goethe Schokoladenmanufaktur steht, wo wir „unser“ Boot in die Unstrut eingesetzt haben. Nun warteten knapp 15 km Wasserlauf auf uns,  mit kleinen Stromschnellchen, Kurven, Brückendurchfahren und einer Schleuse. Für uns war das schon ein kleines Abenteuer, denn mein letztes und bisher einziges Kanu-Erlebnis in Norwegen endete bereits beim Einsteigen recht feucht. Aber dieses Mal klappte alles, wir blieben von Anfang bis Ende trocken.

Zu Beginn ließen wir uns erstmal ein wenig von der Unstrut treiben. Die Stromschnellen, die uns Herr Bernhardt angekündigt hatte waren eher zu vernachlässigen. Eher zu erwähnen wäre da, dass an einigen Stellen das Wasser nicht so sehr tief ist und die Gefahr besteht mit dem Kanu am Grund zu schleifen. Aber das war auch eher halb so wild. Für Einsteiger und Genießer ist der Teil der Unstrut von Oldisleben nach Ritteburg einfach perfekt. Ein ruhiger, idyllischer Flusslauf, der nur bei Gegenwind ein wenig Anstrengung verlangt. So schipperten wir dahin, rechts grün, links grün, hier ein bisschen Schilf, da ein paar Bäume – es hatte auf jeden Fall eine ganze Menge vom Wandern.

Nach knapp neun Kilometern und zwei Stunden Paddelzeit machten wir eine Rast und legten an einem Holzsteg an. Denn selbst ein Kanu-Fahrer hat ja seine Bedürfnisse und wenn man es nicht gewohnt ist, machen einem die Plastiksitze nach einiger Zeit schon zu schaffen. Frisch gestärkt paddelten wir weiter die Unstrut hinab. Unter einer Brücke hindurch hatten wir dann ein wenig mit Gegenwind und Stromschnellchen zu kämpfen. Dadurch, dass wir nicht schnell genug diese Passage angefahren haben, drehte sich unser Boot und wir standen quer. Also mussten wir eine Pirouette drehen, nochmal zurücksetzen und mit ein wenig Kraftaufwand dann ab durch die Brücke.

Die letzte spannende Situation sollte uns dann in Arten ereilen – eine Schleuse. Ein älterer braungebrannter Herr mit pinkem Muskelshirt winkte uns heran, öffnete das Schleusentor und wir sollten zu einer der Leitern fahren und uns festhalten. So weit, so gut – gesagt, getan! Er ließ das Wasser hinaus und wir sanken circa zwei Meter hinab. Nun öffnete er das vordere Tor und wir konnten weiter fahren. Zwischendurch nutzte er noch die Zeit, um uns mit Infomaterial über die Unstrut und die Region auszustatten, was wir sehr cool fanden. Die letzten vier Kilometer ging es dann zuerst durch Artern, wo jeder dritte ein Grundstück direkt an der Unstrut zu haben scheint und dann durch eher seichtes Gewässer bis nach Ritteburg, wo wir anlegten und von Herrn Bernhardt in Empfang genommen wurden.

Gut viereinhalb Stunden waren wir unterwegs, ein wenig mit Muskelkater ausgestattet, leicht gebräunt und überglücklich.

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