Walkenried, Kloster, Grenze und Karst

Walkenried und sein Kloster |

Ihr habt sicher schon länger darauf gewartet. Heute gibt es mal wieder etwas zum Thema Wandern. Ein bisschen was Anspruchsvolleres. Ganze 18km waren es dieses Mal und auch noch recht hügelig. Aber gelohnt hat es sich, obwohl der letzte Teil recht zäh war.

Auf der Grenze

Wir, meine Freundin und ich, kamen 18.00 Uhr in Ellrich am Marktplatz an und hatten Glück, denn ab dieser Zeit kann man ohne Ticket oder Parkuhr parken. Unser erstes Ziel war Walkenried. Doch wie dorthin kommen? Okay, ich hatte vorher natürlich schon geplant. Zuerst ging es ein ganzes Stück durch das Südharzer Städtchen Ellrich bis zum Stadtwald. Immer am Waldrand entlang, auf erdigem Weg, erreichten wir den Harzer Grenzweg. Woran erkennt man diesen? In unserem Fall an den löchrigen Betonplatten. Aber die Platten sind nicht etwa kaputt, nein, die Löcher sind dort mit Absicht drin. Sie bilden den sogenannten Kolonnenweg, auf dem die Grenzpatrouille während des Bestehens der Deutsch-Deutschen Grenze unterwegs war. Warum die Löcher haben, kann ich nicht genau sagen. Meine Theorie: Mit den gummibereiften Fahrzeugen hat man an Steigungen besseren Grip…aber vielleicht liege ich mit meiner Theorie auch vollkommen daneben. Wer es genau weiß, kann ja mal einen Kommentar hinterlassen.

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Auf nach Walkenried

Immer weiter auf den Platten, Natur wohin das Auge reicht, kamen wir am Carlstein vorbei. An dieser Stelle, an der Grenze zwischen Ellrich und Walkenried, versuchte Herzog Carl von Braunschweig aus dem Königreich Preußen wieder zurück in sein Herzogtum zu gelangen. Das war am 30. November 1830, also nicht unbedingt die schönste Jahreszeit, nachdem er im September desselben Jahres nach einer Rebellion geflüchtet war. Nur wollten die Leute ihn nicht mehr. Das Braunschweiger Militär und die Einwohner von Zorge verhinderten seinen Grenzübertritt. Aber nun weiter Richtung Walkenried. Die Grenzgeschichte immer vor Augen, und das meine ich wörtlich, denn der Grenzstreifen und die Platten waren allgegenwärtig, kamen wir an der Blutbuche vorbei, die direkt an der Straße zwischen Ellrich und Walkenried gepflanzt wurde. Als Symbol der Wiedervereinigung. Noch einmal bergauf, ein wenig durch die Wiesenlandschaft und da waren wir schon am Ortsrand von Walkenried.

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Kloster, Leckereien und mehr

Wir erreichten den Flusslauf der Wieda, dem wir folgten. Idyllisch schlängelt sich der Weg am Wasser entlang, bis zu einer Brücke, die uns zum Kloster führte. Von dem im Jahr 1129 gegründeten Zisterzienserkloster sind bis heute noch einige Gebäude erhalten. Eine schöne Location für mich als Fotograf, um auch mal einen Shoot dort zu planen. Nun waren wir auch schon 9km unterwegs und es war halb neun. Mit anderen Worten: wir hatten Hunger. Die Auswahl war nicht einfach. Entweder zum Italiener „La Locanda“ oder japanisch im „Klosterhof“. Da wir erst vor kurzem bei genau diesem Japaner in Walkenried waren, der eigentlich Deutscher ist und 35 Jahre in Japan gelebt hat, entschieden wir uns für den Italiener. Nicht dass uns das Essen beim Japaner nicht zugesagt hätte, ganz im Gegenteil, ich empfehle jeden sogar dorthin zu gehen. Es war uns einfach mehr nach Bruschetta und Salat. Das bestellten wir auch und wurden nicht enttäuscht. Ein leckeres Radler dazu und wir waren überglücklich. Allerdings auch ziemlich träge nach dem Speisen.

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Auf dem Karstwanderweg nach Ellrich

Dennoch mussten wir ja von Walkenried wieder nach Ellrich kommen. Der Zug wäre eine Option gewesen, aber auf dem Weg, den ich geplant hatte, gab es noch einiges zu sehen. Vor allem Teiche waren mein fotografisches Ziel. So langsam fing auch die Sonne an zu verschwinden. Am Jagdschloss von Walkenried vorbei, ein weiteres Mal die Bahnlinie kreuzend, kamen wir auf den Karstwanderweg. Das weiße „K“ auf roten Balken sollte unser Begleiter bis fast zum Ende sein. Der Weg schlängelte sich an den Klosterteichen vorbei in den Wald hinein. Das wurde zunehmend zum „Problem“ in Verbindung mit der geringer werdenden Sonne. An meiner Kamera kann ich das teilweise noch mit dem ISO-Wert ausgleichen, bzw. mit Langzeitbelichtung, aber die Augen haben keinen Knopf für den ISO-Wert. Zum Glück hat sich der Weg zum größten Teil in der Helligkeit vom Drumherum abhob, sodass wir nur die letzten, knapp zwei Kilometer im Wald das Smartphone als Taschenlampe nutzen mussten. Das Schöne an der Abenddämmerung ist aber, dass sie einfach Motive zulässt, die tagsüber nicht möglich wären, wie der Blick auf den Itel-Teich (siehe Galerie). Was meine Kamera leider nicht schaffte war das Fotografieren von tausenden von Glühwürmchen. Nun müsst ihr mal kurz eure Fantasie einschalten, dazu gibt es leider kein Bild. Ihr müsst euch das so vorstellen, wie in den Märchen. Dort wo der Wald dunkel ist und die Glühwürmchen einem den Weg leuchten. Nur in echt und nicht nur auf dem Weg, sondern im ganzen Wald verteilt. Es war sooooooo schön. Und auch wenn meiner Freundin mal sowas von kalt war. Dieser Anblick erwärmte sie von innen.

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Ab zum Auto und heim

Als wir dann den Wald verlassen hatten war es allerdings mit der inneren Wärme wieder vorbei. Wir hatten noch knapp eineinhalb Kilometer, vorbei am KZ-Außenlager Ellrich Juliushütte, vor uns. Es ging hauptsächlich durch die nächtlich verwaisten Straßen Ellrichs, wo doch das ein oder andere interessante Gebäude als Fotomotiv herumsteht. Aber dafür hatte meine Freundin verständlicherweise nicht mehr so den Blick. Noch die Nordhäuser Straße entlang und am Markt vorbei, erreichten wir halb zwölf wieder unser Auto. Auch wenn es mit 18 Kilometern eine recht lange Runde war, hat es sich nicht nur wegen des Salates und der Bruschetta in Walkenried mehr als gelohnt.

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